Die Frage ist berechtigt, und wir bekommen sie regelmässig: Kann man KI-Kompetenz testen, wenn der Test fünf Minuten dauert? Die ehrliche Antwort ist ein Teil-Ja. Es lohnt sich, genau anzuschauen, welcher Teil.
Was der Check tatsächlich fragt
Der KI-Level-Check stellt zehn Fragen. Sie zielen nicht auf dein Selbstbild, sondern auf deine Arbeitsweise. Nicht «Wie kompetent bist du mit KI?», sondern: Wie arbeitest du an einem Thema, das mehrere Wochen dauert? Was machst du zuerst, wenn vertrauliche Personaldaten im Spiel sind? Wie gehst du vor, wenn dieselbe Aufgabe nächste Woche wieder ansteht?
Dieser Unterschied ist der entscheidende. Eine Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 bis 10 sagt wenig aus, weil Selbstbild und tatsächliche Kompetenz bei KI systematisch auseinanderklaffen. Die Frage, ob du mit Projekten arbeitest oder jeden Chat neu beginnst, ist dagegen konkret. Sie beschreibt Verhalten, nicht Gefühl.
Was fünf Minuten leisten
Ziemlich viel für eine Standortbestimmung:
- Du siehst, auf welcher der fünf Stufen deine tägliche Arbeitsweise liegt.
- Du siehst blinde Flecken, meist dort, wo dir eine Frage unbekannt vorkommt. Wer bei «Skill» stutzt, hat seine Antwort schon.
- Du bekommst einen nächsten Schritt statt einer Note.
Für die meisten ist genau das der Nutzen. Nicht die Zahl, sondern die Erkenntnis, dass es oberhalb der eigenen Gewohnheit noch drei Stufen gibt.
Was fünf Minuten nicht leisten
Hier wird es wichtig, und wir sagen es lieber selbst:
- Der Check misst deine Arbeitsweise, nicht deine Trefferquote. Du gibst an, dass du Resultate prüfst. Ob du eine überzeugend formulierte Falschaussage tatsächlich erkennst, zeigt sich erst an einer echten Aufgabe. Dafür braucht es Prüfaufgaben, nicht Fragen.
- Die oberen Stufen bleiben ein Signal. Ob jemand Agenten wirklich sauber führt, lässt sich in zehn Fragen nicht belegen. Der Check zeigt eine Richtung, keinen Beweis.
- Es ist keine Zertifizierung. Kein Nachweis für den Arbeitgeber, keine Prüfung, kein Diplom. Eine Standortbestimmung, mehr nicht.
Wer mehr will, braucht ein ausführliches Assessment mit echten Aufgaben: fehlerhafte KI-Antworten beurteilen, heikle Stellen in einem Text markieren, Vorgehen auswählen. Das dauert dann nicht fünf Minuten, sondern eine Viertelstunde und mehr.
Warum wir es trotzdem kurz halten
Weil ein Test, den niemand macht, nichts misst. Fünf Minuten macht man zwischen zwei Terminen. Eine Stunde verschiebt man auf nie.
Ein grober, ehrlicher Standort schlägt eine präzise Messung, die nicht stattfindet. Und für die Frage, die die meisten wirklich haben, reicht er: Was ist mein nächster Schritt?
Wenn du wissen willst, was KI-Kompetenz überhaupt umfasst, lies Was ist KI-Kompetenz?. Und wenn du deine Prüfroutine schärfen willst, also genau das, was ein Kurz-Check nicht messen kann: die 2-Minuten-Routine.