«Ich bin ziemlich fit mit KI.» Diesen Satz hören wir oft. Das Problem: Die eigene AI Literacy lässt sich schlecht aus dem Bauch heraus beurteilen. Die Forschung zeigt, dass Selbsteinschätzung und tatsächliche Kompetenz systematisch auseinanderklaffen.
Was die Forschung zur AI Literacy zeigt
Eine Studie mit Lehrpersonen hat selbstberichtete und objektiv gemessene AI Literacy direkt verglichen. Das Ergebnis: Die Korrelation zwischen beiden ist tief. Wer sich hoch einschätzt, schneidet im Test nicht unbedingt gut ab. Die Forschenden fanden ganze Profile von Über- und Unterschätzung.
Eine zweite Studie der Aalto-Universität hat 500 Personen Logikaufgaben lösen lassen, die Hälfte davon mit ChatGPT. Danach sollten alle ihre Leistung einschätzen. Fast alle überschätzten sich. Besonders bemerkenswert: Wer sich selbst für besonders KI-kompetent hielt, lag mit der Einschätzung am weitesten daneben. Die Forschenden sprechen von einer Umkehrung des bekannten Dunning-Kruger-Effekts.
Warum KI die Selbsteinschätzung zusätzlich verzerrt
Der Grund ist nachvollziehbar. KI-Antworten klingen kompetent, das Ergebnis fühlt sich nach eigener Leistung an. Das Feedback fehlt: Beim Skifahren merkst du sofort, wenn du stürzt. Bei einer plausiblen, aber falschen KI-Antwort merkst du oft gar nichts.
Dazu kommt: Die meisten vergleichen sich mit ihrem Umfeld. Wer im Team am meisten mit ChatGPT arbeitet, hält sich für fortgeschritten. Dabei sagt das nichts darüber aus, ob diese Person Kontexte aufbaut, Ergebnisse prüft oder Prozesse automatisiert. Genau diese Fähigkeiten unterscheiden die Levels.
Das ist keine Charakterschwäche, sondern ein Muster, das fast alle betrifft. Gefährlich wird es erst, wenn Entscheidungen darauf bauen. Etwa wenn ein Unternehmen auf Schulung verzichtet, weil sich das Team «schon fit» fühlt. Oder wenn du selbst aufhörst zu lernen, weil du dich für angekommen hältst.
Messen statt vermuten
Die Konsequenz aus der Forschung ist einfach: Verlass dich nicht auf dein Gefühl. Eine ehrliche Standortbestimmung braucht Aufgaben, an denen sich Kompetenz zeigt, nicht Fragen nach dem Selbstbild.
Was KI-Kompetenz konkret umfasst, haben wir im Beitrag Was ist KI-Kompetenz? aufgeschlüsselt. Und wenn du wissen willst, wo du wirklich stehst: Der KI-Level-Check dauert fünf Minuten und zeigt dir dein Level, ohne dass du dich selbst benoten musst. Vielleicht bestätigt er dein Bild. Vielleicht überrascht er dich. Beides ist ein Gewinn, denn erst mit einem ehrlichen Standort weisst du, was dein nächster Schritt ist.