KI übernimmt zunehmend die Aufgaben, mit denen Berufseinsteiger-/innen früher gelernt haben: Recherche, Dokumentenprüfung, Präsentationen, erste Berichte. Das ist bequem. Und es hat einen Haken, über den zu wenig geredet wird.
Genau diese Routinearbeit war das Trainingslager. Wer hundert Verträge gelesen hat, erkennt den fehlerhaften. Wer viele Recherchen selbst gemacht hat, merkt, wenn eine Quelle nicht trägt. Ein Anwalt brachte es an einem KI-Stammtisch auf den Punkt: Wenn KI alle Routinearbeit übernimmt, fehlen jungen Jurist-/innen die Grundlagen, um KI-Ergebnisse zu beurteilen.
KI-Kompetenz ist vor allem Urteilskompetenz
Je mehr KI produziert, desto wichtiger wird die Frage: Ist das gut? Stimmt das? Fehlt etwas? Dieses Urteil kann dir kein Tool abnehmen. Es entsteht nur durch eigene Erfahrung mit der Sache selbst.
Deshalb gilt der Grundsatz «Schreiben ist Denken» auch im KI-Zeitalter. Ein Deutschlehrer der Kantonsschule Zug formulierte es im Tages-Anzeiger so: Wer Struktur und Text selbst entwirft, muss ins Thema eintauchen. Übernimmt das die Maschine, ist das Denken durch Schreiben in Gefahr.
Die Konsequenz ist nicht, auf KI zu verzichten. Die Konsequenz ist eine bewusste Arbeitsteilung: den ersten Entwurf, die Struktur, die eigene Position selbst erarbeiten und KI zum Hinterfragen, Ergänzen und Überarbeiten nutzen. So trainierst du dein Urteil, statt es abzugeben. Wie das konkret aussieht, zeigt die Prüfroutine für KI-Antworten.
Was das für Teams heisst
Für Unternehmen wird daraus eine Ausbildungsfrage: Wenn KI die Einstiegsaufgaben erledigt, müssen junge Mitarbeitende anders lernen, Qualität zu erkennen. Zum Beispiel, indem sie KI-Resultate systematisch prüfen und mit Erfahrenen besprechen, statt sie nur weiterzuleiten.
Der nächste Schritt
Wähle eine Aufgabe, die du regelmässig an KI delegierst, und mach sie diese Woche einmal bewusst selbst. Du merkst schnell, ob dein Urteil noch trainiert ist oder nur noch abnickt.