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ChatGPT besser nutzen: Funktionen, die kaum jemand kennt

Nur 10% der Kursteilnehmenden kennen Deep Research, Projekte oder eigene Assistenten. So kannst du ChatGPT besser nutzen: der Überblick.

PraxisKompetenz

Viele arbeiten mit ChatGPT noch wie im ersten Jahr: Frage rein, Antwort raus, fertig. Wer ChatGPT besser nutzen will, muss keine neuen Prompt-Tricks lernen. Der grössere Hebel liegt woanders: in Funktionen, die längst da sind und die kaum jemand kennt.

Antonia erlebt das laufend in unseren Kursen. In einer Durchführung kannten nur 10 Prozent der Teilnehmenden Funktionen wie Deep Research, Canvas oder eigene Assistenten. Die anderen 90 Prozent nutzen täglich ein Werkzeug, von dem sie nur die Startseite kennen.

Die Funktionslücke: gutes Tool, kleiner Ausschnitt

Das Problem ist nicht mangelnde Intelligenz der Tools. Das Problem ist die Lücke zwischen dem, was dein Tool kann, und dem, was du davon nutzt.

Diese Lücke kostet dich doppelt. Erstens Zeit: Du erledigst Aufgaben im Chat, für die es bessere Funktionen gäbe. Zweitens Qualität: Ohne Kontext, ohne Quellen, ohne wiederverwendbare Abläufe bleiben die Resultate generisch.

Genau diese Funktionen machen den Unterschied, ob du KI nur fragst oder strategisch einsetzt. Im KI-Level-Modell ist das der Schritt von Stufe 1 (Chat & Prompten) zu Stufe 2 (Kontext & Projekte). Die gute Nachricht: Dieser Schritt ist klein. Du musst nichts installieren und nichts programmieren. Du musst nur wissen, was es gibt.

ChatGPT besser nutzen: sechs Funktionsbereiche

Die grossen KI-Chatbots (ChatGPT, Claude, Gemini, Copilot) haben sich in dieselbe Richtung entwickelt. Namen und Menüs unterscheiden sich, die Funktionsbereiche sind fast identisch. Diese sechs solltest du kennen.

1. Recherche und Deep Research

Der normale Chat antwortet aus dem Gedächtnis des Modells, ergänzt um eine schnelle Websuche. Deep Research geht weiter: Die KI plant eine Recherche, durchsucht Dutzende Quellen, vergleicht und liefert einen strukturierten Bericht mit Quellenangaben.

Das dauert einige Minuten statt Sekunden. Dafür bekommst du eine Grundlage, die du prüfen kannst. Ideal für Marktübersichten, Anbietervergleiche oder die Vorbereitung auf einen Kundentermin.

2. Projekte

Projekte sind Arbeitsbereiche, in denen du Chats, Dateien und Anweisungen bündelst. Du lädst einmal deine Unterlagen hoch, hinterlegst einmal deine Regeln, und jeder Chat im Projekt kennt diesen Kontext.

Das ist die wichtigste Funktion für alle, die wiederkehrende Aufgaben haben. Statt jedes Mal von vorne zu erklären, wer du bist und was du brauchst, arbeitest du in einem Raum, der es schon weiss. Wie du ein Projekt sauber aufsetzt und mit einem Warm-up-Prompt startest, zeigen wir im Beitrag zum KI-Projekt mit Warm-up.

3. Eigene Assistenten

Alle grossen Tools lassen dich massgeschneiderte Assistenten bauen: bei ChatGPT heissen sie Custom GPTs, anderswo Gems oder Skills. Das Prinzip ist gleich. Du gibst der KI eine Rolle, Anweisungen und Referenzmaterial. Daraus entsteht ein Spezialist, den du und dein Team immer wieder aufrufen können.

Ein Beispiel: ein Assistent, der jede Kundenanfrage nach demselben Schema beantwortet, im richtigen Ton, mit den richtigen Bausteinen. Einmal gebaut, für alle verfügbar, jedes Mal konsistent.

4. Canvas und Dokumente

Im Chat verschwindet dein Text nach jeder Antwort weiter oben im Verlauf. Der Dokumentmodus (bei ChatGPT: Canvas) öffnet stattdessen eine Arbeitsfläche neben dem Chat. Dort bearbeitest du Text oder Code direkt: Absätze markieren, umschreiben lassen, selbst eingreifen.

Das verändert die Zusammenarbeit mit der KI. Du diskutierst nicht mehr über einen Text, ihr arbeitet gemeinsam an ihm. Für Konzepte, Berichte und längere Texte ist das der bessere Modus.

5. Datenanalyse

Lade eine Excel- oder CSV-Datei hoch und lass die KI rechnen: Auswertungen, Pivot-Logik, Diagramme, Ausreisser finden. Die Tools schreiben dafür im Hintergrund echten Analyse-Code und führen ihn aus. Das ist deutlich verlässlicher, als wenn das Modell Zahlen «aus dem Kopf» schätzt.

Wichtig bleibt: Prüfe die Ergebnisse und achte darauf, welche Daten du hochlädst. Kundendaten gehören nur in Tools mit passenden Datenschutz-Einstellungen.

6. Voice

Der Sprachmodus macht aus dem Chatbot einen Gesprächspartner. Unterwegs Ideen diktieren, ein schwieriges Gespräch durchspielen, sich ein Thema erklären lassen: Vieles geht gesprochen schneller als getippt. Gerade für den Einstieg in ein Thema ist Voice unterschätzt.

So findest du systematisch heraus, was dein Tool kann

Neue Funktionen erscheinen laufend. Statt jedem Update hinterherzurennen, empfehlen wir drei einfache Routinen:

  1. Frag dein Tool selbst. Klingt banal, funktioniert: «Welche Funktionen bietest du neben dem normalen Chat? Erkläre mir jede in zwei Sätzen und sage, wofür sie sich eignet.» So bekommst du den aktuellen Stand für genau dein Abo.
  2. Öffne einmal pro Monat das Menü. Klick dich fünf Minuten durch Seitenleiste und Einstellungen. Alles, was du nicht kennst, einmal antippen. Die Release Notes der Anbieter verlinken die Neuerungen meist direkt in der App.
  3. Teste eine Funktion pro Woche an einer echten Aufgabe. Nicht auf Vorrat lernen, sondern anwenden. Nimm eine Aufgabe, die diese Woche sowieso ansteht, und erledige sie mit der neuen Funktion. Nur so merkst du, ob sie dir etwas bringt.

Häufige Fehler

  • Alles im normalen Chat erledigen. Wer Recherchen, Datenanalysen und lange Texte in einen einzigen Chatverlauf packt, verschenkt Qualität und Übersicht.
  • Funktionen horten statt anwenden. Eine Liste mit 20 Features bringt nichts. Eine Funktion, die du diese Woche wirklich einsetzt, schon.
  • Vom Abo auf die Möglichkeiten schliessen. Viele Funktionen stecken auch in günstigen oder kostenlosen Plänen, oft mit Limiten. Erst prüfen, dann über ein Upgrade nachdenken.
  • Das Prüfen vergessen. Mehr Funktionen heisst nicht weniger Verantwortung. Auch ein Deep-Research-Bericht enthält Fehler. Quellen anschauen bleibt Pflicht.

Dein nächster Schritt

Wähle heute einen der sechs Funktionsbereiche aus, den du noch nie genutzt hast. Nimm eine echte Aufgabe aus deiner Woche und erledige sie damit. Fünfzehn Minuten reichen für den ersten Versuch.

Wenn du wissen willst, wo du insgesamt stehst: Das KI-Level-Modell zeigt dir die fünf Stufen vom Chatten bis zu Agenten und was auf deiner Stufe der nächste sinnvolle Schritt ist.

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